Die risikosensitive Bestimmung von Mindestkapitalanforderungen ist eine wesentliche Zielsetzung von Basel II. Insbesondere bei der Bewertung von Kreditrisiken ist die Möglichkeit interne Rating-Verfahren anzuwenden für die Erreichung dieses Ziels von hoher Relevanz. Der auf internen Ratings basierende Ansatz (IRB-Ansatz) nach Basel II ermöglicht es den Finanzinstituten, ihre langjährige und branchenspezifische Erfahrung in Form interner Rating-Verfahren zu nutzen, um die Bestimmungsgenauigkeit zu erhöhen und im Spannungsfeld zwischen Kreditausfallrisiko und Kapitalkosten einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.
Mit der Credit Risk Rating Platform bietet Innovations eine umfassende Lösung für das Kreditrisikomanagement nach Basel II. Neben der Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Bestimmungen unterstützt die Plattform die mehrdimensionalen Anforderungen bei der Umsetzung der fachlichen Rating-Modelle.
Der Basler Ausschuss unterscheidet grundlegend zwischen einem Standardansatz und einem auf internen Ratings basierenden Basis (IRB)-Ansatz. Innerhalb des IRB-Ansatzes wird zwischen einem Basisansatz und fortgeschrittenen Ansatz unterschieden.
Die Credit Risk Rating Platform eignet sich mit ihrer grafischen Modellierungskomponente optimal für Aufbau, Weiterentwicklung und Pflege von Ratingmodellen für die IRB-Ansätze. Die Komplexität der Berechnungsund Entscheidungslogik unterliegt keinerlei Einschränkung und ist, dank der strukturierten Darstellung, auch für Ratingexperten ohne Programmierkenntnisse gut nachvollziehbar.
Für die Bestimmung von Kreditrisiken werden im Rahmen von Basel II die folgenden Risikokomponenten bestimmt:
Probability of Default (PD): Ausfallwahrscheinlichkeit
Loss Given Default (LGD): Verlustausfallquote
Exposure At Default (EAD): Verlustbetrag
Effective Maturity (M): Effektive Restlaufzeit
Während beim Standardansatz ausschließlich externe Ratingverfahren für die Bestimmung dieser Risikoparameter genutzt werden, kommen beim IRB-Ansatz auch interne Ratingverfahren zum Einsatz. Für den IRB-Basisansatz werden interne Ratingverfahren für die Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) verwendet. Bei der Anwendung des fortgeschrittenen IRB-Ansatzes nutzen Finanzinstitute für die Bestimmung der anderen Risikoparameter ebenfalls interne Schätzverfahren.
Um die Trennschärfe bei der Bestimmung der Risikoparameter zu verbessern, wenden Finanzinstitute vielfach portfoliospezifische Ratingmodelle für einzelne Forderungsklassen an. Die folgenden Portfolios wurden bereits mit der Credit Risk Rating Platform in Kundenprojekten umgesetzt:
Corporates (Firmenkunden), Retail (Massengeschäft), Sovereigns (Staaten), Financial Institutions (Finanzinstitute), Project Lending (Projektfinanzierung), Specialized Lending (Spezialfinanzierung), Properties (Objektfinanzierung)
Scoring-Verfahren ("Scorecards") und Simulationsverfahren sind häufige Bewertungsmethoden für Basel II Schätz-verfahren. Für Scorecards werden zahlreiche Eingangsfaktoren einbezogen. Bei den Eingangsfaktoren wird zwischen quantitativen und qualitativen Faktoren unterschieden. Sämtliche Eingangsfaktoren werden mit Scoring-Punkten bewertet. Die Teilscores ergeben einen aggregierten Gesamtscore, der auf eine Ratingklasse und eine Ausfallwahrscheinlichkeit übertragen wird.
Für spezielle Portfolios (z.B. Immobilien- und Projektfinanzierung) finden auch Simulationsverfahren Anwendung, die auf Basis von Zeitreihen und Zufallszahlen verschiede Entwicklungen nachstellen sollen. Die Komplexität und Rechenintensität ist hierbei im Vergleich zu Scorecards deutlich höher.
Für Basel II Ratingmodelle werden sowohl quantitative als auch qualitative Einflussfaktoren bewertet. Quantitative Faktoren sind zum Beispiel Unternehmensstamm-daten sowie Kennzahlen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Qualitative Faktoren (z.B. Einschätzung der Unter-nehmensführung, Positionierung im Markt) werden durch einen Kreditanalysten eingeschätzt. Diese Bewertung fließt ebenfalls in das Ratingmodell ein.